Direkt zum Inhalt

Wie finde ich einen Monolog, der zu mir passt?

Gepostet in Vorsprechen

Tipps fürs Vorsprechen

Wer mit dem Gedanken spielt, sich an einer Schauspielschule zu bewerben, kommt an dieser Frage nicht vorbei. Egal ob du dich für eine private oder staatliche Schule entscheidest, in der Regel musst du mindestens einen klassischen und einen modernen Monolog vortragen.

 

1) Ab ins Theater und lesen, lesen, lesen!

Wenn du nicht gerade ein Literaturexperte bist und schon tausende Stücke kennst, würde ich dir auf jeden Fall dazu raten, ins Theater zu gehen und dir einfach ganz viel Unterschiedliches anzuschauen. So kannst du ein Gefühl für Texte aus verschiedenen Epochen bekommen und dich inspirieren lassen. Auch wenn in den meisten Stücken natürlich hauptsächlich Dialoge gespielt werden, wirst du sicher auch den ein oder anderen Monolog finden. Wenn dir einer gefällt, bekommst du vielleicht gleich schon eine Idee, wie du es machen möchtest (bloß nicht kopieren!). Genau so gut kannst du dir natürlich die Stücke einfach nur durchlesen. Aber es hilft auch, zu sehen wie die Worte zu Leben erwachen und welche verschiedenen Interpretations- und Spielmöglichkeiten es gibt.

Diese Variante ist natürlich recht zeitintensiv und je nach dem wie dringend es bei dir ist und wie schnell du einen passenden Monolog für ein Vorsprechen finden musst, geht es auch etwas einfacher.

 

2) Hilfestellung: Monologbuch

In fast jedem Buchladen, bzw. in den großen Ketten wie Mayersche oder Thalia, aber natürlich auch im Internet findest du eine Vielzahl an Büchern, die dir beim Vorsprechen behilflich sein können. Ob es nun „101 Monolge“, „55 komische Monologe“ oder „55 tragische Monologe“ sein soll. In diesen Büchern findest du Monologvorschläge aus verschiedenen Epochen, sowohl für weibliche als auch männliche Rollen.
Ich dachte eine Zeit lang, es wäre unoriginell einen Monolog aus einem dieser Bücher zu wählen. Aber da die Auswahl so groß ist, ist es auch relativ unwahrscheinlich, dass du auf andere Bewerber mit dergleichen Rollenwahl triffst. Einmal habe ich sogar einen Monolog von einer Freundin empfohlen bekommen (siehe Punkt 3), den ich für einen totalen Geheimtipp gehalten habe. Bei meinem letzten Vorsprechen gab es dann jedoch ein Mädchen, das genau diesen vorgetragen hat. Ganz schockiert fragte ich, wie sie denn auf diesen Monolog gestoßen sei und sie meinte, es wäre aus einem der Monologbücher gewesen. Du siehst also, dagegen ist nichts einzuwenden.
In diesen Büchern findest du also bereits gekürzte und passende Textstellen, eine inhaltliche Zusammenfassung worum es in dem Stück geht und ein paar Informationen dazu, in welcher Situation sich die Figur gerade befindet. Das ist sehr nützlich und kann schon ausreichen, um zu spüren ob dir der Text, die Figur und das Stück gefallen.

Wenn dich ein Monolog besonders anspricht, solltest du auch immer das gesamte Werk lesen. Es ist sehr wichtig, dass du die ganze Geschichte kennst und die genaue Situation, die du spielen willst.

 

3) In deinem Bekanntenkreis herumfragen

Du warst in der Schule vielleicht in der Theater AG oder hast schon in einer Jugendgruppe Schauspielunterricht gehabt? Dann frag dort mal bei deinen Lehrern nach, ob sie eine Idee haben. Oder deine Eltern oder Nachbarn gehen ständig ins Theater? Sie haben dich vielleicht auch schon spielen gesehen, kennen schon einige Theaterstücke oder können deinen Typ besser einschätzen. Auch bei den Vorsprechen selbst ist es immer interessant sich mit den anderen Bewerbern auszutauschen, was sie vorbereitet haben. Manchmal spricht man auch in Gruppen vor und darf den anderen beim Spielen zuschauen.

Auch hier kann man viel lernen und sich etwas abschauen (aber auch hier wieder bloß nicht kopieren!).

 

4) Vorsicht bei Hilfe von Anderen

Damit kommen wir nämlich auch zum nächsten Punkt. Es ist wichtig, dass du beim Vorsprechen deine Interpretation der Rolle zeigst. Du sollst dich mit der Rolle auseinandersetzen, es spielen wie es dir gefällt. Eindrücke von anderen sind immer wichtig und sollten nicht ignoriert werden. Trotzdem zählt am Ende dein Bauchgefühl.
Wenn du jemanden kennst, der schon Erfahrung im Bereich Schauspiel hat, ist es eine tolle Gelegenheit, deine Monologe mal vorzuführen. Und den ein oder anderen Tipp solltest du auf jeden Fall mitnehmen. Vielleicht fallen der Person Dinge auf, die nur einem Außenstehenden auffallen können, oder gibt dir einen neuen Denkanstoß. Wichtig dabei ist, dass der Monolog immer noch deiner bleibt und du ihn nicht komplett mit einem Lehrer/Regisseur/anderem Schauspieler zusammen erarbeitest.

 

5) Aufs Alter, Geschlecht und Typ achten – aber auch: Vielseitigkeit

Ebenso wichtig ist es, eine Rolle zu finden, die wirklich zu dir passt. Zuerst einmal äußerlich. Wahrscheinlich bist du um die 20 Jahre alt oder noch jünger, wenn du dich gerade zum ersten Mal an staatlichen Schulen bewirbst. Daher solltest du keine Frau oder keinen Mann Anfang 40 spielen. Das ist einfach zu weit von dir entfernt. Es geht nicht darum, zu zeigen, dass du auch ganz toll und witzig eine Oma oder einen Opa spielen kannst, sondern glaubhaft in der Rolle zu sein. Genauso solltest du als Mädchen keine männliche Rolle spielen und auch nicht umgekehrt. Ich weiß, das ist jetzt gender-technisch nicht gerade auf dem neuesten Stand. Und auch wenn es einige Rollen gibt, die so angelegt sind (z.B. Shakespeare – Wie es euch gefällt) ist es an den Schulen einfach nicht gerne gesehen. Wenn du vielleicht ein besonders androgyner Typ bist und es trotzdem unbedingt machen willst, dann mach es einfach. Aber dann zu 100% und hau die Leute vom Hocker.

Damit kommen vom auch zum Thema deines Types. Ich finde, das ist grundsätzlich sehr schwer zu sagen. Und du solltest dich auch nicht zu sehr darauf versteifen und einfach nach deinem Bauchgefühl entscheiden. Allerdings kann es auch von Vorteil für dich sein, wenn du eine Rolle wählst, die deinen Typus bedient. Ich habe mir zum Beispiel sehr lange sehr starke Frauencharaktere ausgesucht, die teils laut, dominant und bestimmerisch waren. Mir wurde dann teilweise von der Kommission gesagt, man hätte das Gefühl gehabt, ich wolle etwas beweisen. Ich solle mir lieber eine Rolle suchen, die besser zu meinem Typ passt, vielleicht ein junges verliebtes Mädchen. Auch wenn ich nicht gerade begeistert davon war, in so eine Schublade gesteckt zu werden, nahm ich den Rat an.

Und stellte dabei aber vor allem eines fest: Den eigenen Typus bedienen ist schön und gut und sollte in einer Rolle auch auf jeden Fall gemacht werden. Wichtiger ist aber noch deine Vielseitigkeit zu zeigen. Nicht nur eine sensible und traurige, sondern vielleicht auch komische oder aggressive Rolle im Repertoire zu haben ist wichtig, um deine verschiedenen Seiten zu präsentieren.

 

6) Länge und Bekanntheit / Häufigkeit

Auch auf die Länge deines Monologes solltest du achten. Jede Schule hat andere Maßstäbe und du solltest dich vorher immer unbedingt informieren, was gefordert wird. Meistens sollte dein Monolog aber zwischen 3-5 Minuten liegen. Zuhause einfach mal in Ruhe durchspielen und die Zeit dabei messen. Gegebenenfalls etwas kürzen oder länger spielen.
Zudem solltest du dir bewusst sein: Es gibt einige Rollen, die einfach jede Kommission schon 1000 mal gesehen hat. Du musst entscheiden, ob du die Julia Capulet oder den Franz Moor wirklich spielen willst. Vielleicht hast du eine ganz besondere Idee, um dich von der Masse abzuheben. Vielleicht solltest du es aber auch einfach lassen, weil die meisten Jurymitglieder es einfach nicht mehr sehen können.

 

7) Habe Spaß an der Sache

 

Last but not least: Habe LUST auf deine Rolle. Such dir eine Figur, für die du brennst! Die du total interessant findest, rätselhaft, mit der du dich total identifizieren, oder in der du dich total ausleben kannst.
Solange du Lust hast, in dieser Rolle auf die Bühne zu gehen und alle davon zu überzeugen, dass du es drauf hast, kannst du gar nichts falsch machen!
welche_rolle_passt_zu_mir_hannah_thome

2 Kommentare

  1. Simone
    Simone

    Hallo Hannah, super Artikel! Hat mir echt voll weitergeholfen. Ich ueberlege schon laenger auch mal zu einem Vorsprechen zu gehen. Aber jetzt suche ich mir erst mal die passenden Monologe.. Danke!!

    16. Mai 2017
    |Antworten
    • Hannah Thomé
      Hannah Thomé

      Hallo Simone, freut mich sehr, wenn der Artikel dir weitergeholfen hat! Viel Erfolg bei der Monologwahl und natürlich auch für das Vorsprechen. Liebe Grüße, Hannah

      25. Mai 2017
      |Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*