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Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, Potsdam

Gepostet in Vorsprechen

Mein zweites Vorsprechen, 22.06.15

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Das Logo der Hochschule. Das Beitragsbild (© Filmuniversität) und dieses Logo gehören mir nicht.

 

Die Hinfahrt

Nicht wie normalerweise ging es mit dem Fernbus von Köln, sondern von Mainz aus nach Berlin. Dort war ich auf einem unvergesslichen Bob Dylan Konzert und hatte bei meinem lieben Cousin übernachtet. Ich hatte mich schon darauf gefreut einen Platz im Bus für mich alleine zu haben, da ich ziemlich k.o. von diesem Konzert-Marathon war, der ein paar Tage vorher legendärerweise mit AC/DC und unseren alten amerikanischen Austauschschülern begonnen hatte. Bis Frankfurt ging es auch gut, dann wurde der Bus ziemlich voll. Eine Frau setzte sich neben mich, die sich noch als wahre Bereicherung herausstellen würde.
Sie stellte sich als Deborah vor und wir quatschen ein bisschen. Als mir auffiel, dass ich keinen Proviant dabei hatte, gab sie mir sogar ein Brot von sich. Selten hat mir eine Schnitte besser geschmeckt!

In der Buspause klagte eine Frau über Fußschmerzen. Zu meiner großen Überraschung bat Deborah an, für ihren Fuß zu beten und ihn dadurch zu heilen. Ehrlich gesagt, fand ich das komisch. Ich möchte mich nicht darüber lustig machen, aber ich glaube nicht an Gott oder den heiligen Geist als Heilmittel. Die Frau nahm das Angebot an und ich bekam eine Idee. Ein Gebet hat ja schließlich noch niemandem geschadet, oder?

Also bat ich Deborah mir einen Gefallen zu tun. Sie war ganz begeistert und sagte, ich soll doch mal loslegen. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ganz unkonkret wendete ich mich gen Himmel, quatschte drauf los und sagte ungefähr so etwas: „Ähm, hallo Gott, ich hoffe, dass ich an einer Schule angenommen werde. Vielleicht kannst du mir dafür etwas Unterstützung von oben schicken. Das wäre cool. Amen.“ Deborah hingegen war schon etwas erfahrener und sage sinngemäß das: „Lieber Jesus, ich danke dir, dass du für Hannah gestorben bist und sie so liebst… Gott, bitte öffne diese Tür für Hannah und zeige ihr deinen Weg. Falls dies nicht ihr Weg sein soll, so öffne eine neue, noch bessere Tür für sie. Amen.“
„Amen“ murmelte ich hinterher und fand das ganze irgendwie witzig, aber auch rührend. Ich bedankte mich für die schönen Worte, die sie gefunden hatte und sie beteuerte nochmal, dass Gott nur das Beste für uns will und dass er, wenn er eine Türe schließt, eine neue öffnet hinter der etwas viel wertvolleres liegt.
Wir werden ja sehen.

Um ehrlich zu sein, ich glaube nicht an Gott. Oder genauer gesagt, dieses Bild, was die Kirche erschaffen hat. Aber ein paar gute Vibes haben noch niemanden geschadet. Und ich bin immer offen für neue Erfahrungen und besondere Menschen mit besonderen Einstellungen. Deborah ist mir auf jeden Fall im Gedächtnis geblieben.

Sie half mir auch, ortskundig wie sie war, bei der Ankunft in Berlin mit meiner Bahn weiter, sodass ich schon bald in mein Mehrbettzimmer der Jugendherberge in Potsdam eincheckte. Das war erstaunlich leer mit nur einem Mädchen, das nicht besonders redselig war. Es war schon relativ spät, trotzdem wollte ich meinen guten Vorsatz nicht lassen, noch den Weg zur Schauspielschule zu erkunden. Obwohl ich eigentlich lieber ins Bett gegangen wäre. Ich wollte es schnell hinter mich bringen. Doch dabei hatte ich nicht mit Quirus und Herrlimann gerechnet (kein Scheiß, die hießen wirklich so).

Es war schon dunkel, ich war mit meinem Stadtplan bewaffnet auf der Suche nach dem Schulgebäude. Ich muss einen verlorenen Eindruck gemacht haben, denn ein Typ namens Quirus sprach mich an, ob er mir helfen könnte. Er war auf seinem Abendspaziergang mit seiner französischen Bulldogge, die er liebevoll Herrlimann oder kurz „Herrli“ nannte. Quirus überzeugte mich, dass ich erst mal einen Tee bräuchte, den er mir an der Tankstelle kaufte und dass er mich angesichts der Dunkelheit am besten begleiten würde. Ein waschechter Potsdamer war er und könnte mir sicher mit dem Weg helfen – dachte ich.

Denn das amüsante Pärchen nahm einige Zeit in Anspruch. Nicht nur, weil Quirus mich erst zu einem falschen Gebäude führte, sondern auch, weil Herrli permanent abhaute und sein Herrchen alle 5 Minuten inne hielt, um verzweifelt seinen Namen durch die leeren Straßen Potsdams zu rufen. Selten habe ich etwas komischeres gesehen.

Über Umwegen also ging es dann doch zur richtigen Adresse und wir kehrten um in Richtung Hostel. Ungefähr an der Stelle, wo ich die beiden kennengelernt hatte, verabschiedeten wir uns auch wieder. Was für eine Begegnung!
Verzweifelt ging ich noch einmal meine Monologe durch, die ich mir bewusst seit Frankfurt nicht mehr angeschaut hatte, um es nicht wieder so einstudiert zu machen.

Die Ankunft

Mit genügend Proviant ausgestattet checkte ich aus und machte mich zu Fuß auf den eigentlich nur ca. 20-minütigen Weg zur Schauspielschule. Dort traf ich überraschender Weise sogar auf ein bekanntes Gesicht: Florian aus Berlin, den ich in Frankfurt kennengelernt hatte, der dort auch sein 1. und hier sein 2. Vorsprechen hatte.

Wir freuten uns sehr über dieses Wiedersehen. Wir warteten auch gar nicht lange bis es weiter ging. Im offenen Eingangsbereich des insgesamt sehr modernen und hellen Gebäudes wurden wir in Gruppen (à ca. 18 Leute) abgeholt und in den Vorbereitungsraum gebracht. Dort ging es sehr schnell, wir zogen uns um, machten uns nur kurz einzeln warm und danach ging es in den Raum, wo das Vorsprechen stattfinden sollte.

Das Vorsprechen

Alle suchten sich einen Platz im Raum hinter der Jury. Wir würden also in der Gruppe vorspielen. Hatte ich schon erwähnt, dass ich textunsicher war? Es war wirklich schwer in eine Konzentration zu kommen und den Text nochmal innerlich durchzugehen, wenn vorne die anderen Bewerber spielten.

Die Jury bestand aus zwei sehr sympathischen Personen, die viel netter wirkten als in Frankfurt. Sie schienen interessierter an uns und nahmen sich spürbar mehr Zeit. Die erste Rolle durfte man sich aussuchen, man würde ohne Unterbrechung spielen dürfen. Ich kam relativ mittig an die Reihe und begann mit dem „Vagina-Monolog“ von Eve Ensler. Mein absoluter Lieblingsmonolog, den ich etwas gekürzt hatte, da man meist nur 3 Minuten vorspielen darf. Hätte ich vorher gewusst, dass es keine Unterbrechung geben würde, hätte ich ihn ausgespielt. So schnell konnte ich mich dann aber doch nicht umstellen und kürzte aus Versehen ein ganzes Stück raus, was mich im Nachhinein etwas frustrierte. Danach war es aber sehr interessant, sich auf die anderen Spieler einzulassen und zu sehen, was sie vorbereitet hatten. Ein Junge stach total heraus. Er war der Einzige, der später weiterkam.
Es gab eine kurze Pause, nachdem alle durch waren. Die Kommission teilte mit, welche der beiden weiteren Rollen, die man mitgebracht hatte, gezeigt werden sollte. Von mir wollten sie „Fräulein Julie“ von August Strindberg sehen. Wieder ging es recht schnell ans Eingemachte. Ich hatte keine Chance vorher nochmal großartig den Text durchzugehen. Das war natürlich das krasse Gegenteil von Frankfurt, wo man sich stundenlang vorbereiten konnte bzw. warten musste. Eigentlich gefiel es mir hier besser. Wenn ich nicht diese Textunsicherheit gehabt hätte.

 

Meinen nächsten Monolog durfte ich auch fast komplett ausspielen. Als ich zum Schluss den Stuhl durch das Zimmer schleuderte, gab es dazu einen kleinen Kommentar etwas vorsichtiger mit den Requisiten umzugehen. Naja, das gehörte nunmal dazu.

Als der 2. Durchlauf beendet war, wurden wir rausgeschickt, um auf die Ergebnisse zu warten.
Für mich ist das immer der entspannteste Teil. Obwohl das nicht jeder so sieht. Ich finde, man kann sich ganz gut zurück lehnen. Man hat seine Leistung abgeliefert und kann jetzt sowieso keinen Einfluss mehr auf das Ergebnis nehmen.
Florian und ich unterhielten uns in der Zeit. Es war sehr interessant gewesen ihn spielen zu sehen, da ich ihn vorher schon ein bisschen persönlich kennengelernt hatte und mir da noch gar nicht vorstellen konnte, wie er so auf der Bühne ist. Ich fand ihn ganz gut, vor allem seine Rollenauswahl war ihm gelungen.

Die Kritik

Nach einiger Wartezeit wurden wir zurück in den Raum gerufen. Einzelkritik gab es leider nicht, sondern nur eine allgemeine in die Runde.

Der Junge, der mir auch aufgefallen war, kam wie gesagt als Einziger weiter. Er und ein Mädchen hatten auch ihr Lied vor allen präsentieren müssen. Dem Mädchen wurde gesagt, sie wäre fast weitergekommen; einem weiteren Jungen, dass man bei ihm sehen würde, dass er noch ein Anfänger wäre; und als generelle Kritik für die Gruppe hieß es, dass viele zu sehr vorgetragen und nicht räumlich gespielt hätten. Da brauchte ich mich jedenfalls nicht angesprochen fühlen, das konnte ich mit Sicherheit sagen. Bei Fräulein Julie war einiges an Bewegung drin.

Ich ging an diesem Tag also leer aus. Und versuchte die Wartezeit auf den Nachtbus hinter mich zu bringen, der erst um 23:00 abfuhr, da ich nicht erwartet hatte, dass es auch Vorsprechen gibt, die schneller ablaufen.

Resumé

Mein zweites Vorsprechen war wahrscheinlich nicht viel besser als das erste. Nur, dass mir niemand sagte, dass ich viel zu übertrieben und unecht spielte.

Insgesamt muss man schon sagen, dass die Filmuniversität Babelsberg eine wirklich coole Schule ist. Eigentlich die einzige staatliche Schule hier überhaupt, die ihren Schwerpunkt ganz offiziell auf Film statt Theater legt.

Ich habe ein sehr gutes Bild von dieser Schule und will es auf jeden Fall nochmal dort probieren. Ich glaube, gerade weil man hier mehr Wert auf Film legt, muss man bei dem Vorsprechen auf seine Authentizität achten. Also natürlich spielen und nicht theatralisch. So werde ich es jedenfalls beim nächsten Mal probieren.

Übersicht

Zum Schluss möchte ich dir noch eine kleine Übersicht der Konrad Wolf geben.

Diesen Fragenkatalog werde ich über jede Hochschule erstellen, über die ich in Zukunft schreibe, damit du alle gut vergleichen kannst.
Es kann sein, dass die Infos nicht 100% richtig sind, weil die Schule vielleicht gewisse Dinge (Ablauf, Räumlichkeiten) verändert. Diese Angaben greifen nur auf meine Erfahrungen zurück, die ich an dieser Schule gesammelt habe.

 


Homepage
Anfahrt: Mit der S7, SS7, SS1 zur Station Griebnitzer See
Hauptgebäude: Ja, das Vorsprechen findet im Hauptgebäude statt
Anzahl der Bewerber am Tag: ca. 70, in den Gruppen ca. 18
Anzahl der Runden: 3

 

Vorsprechgebühr: 25€
Phoniatrisches Gutachten: muss erst in der 2. Runde vorgezeigt werden (muss beim HNO gemacht werden, kann bis zu 70€ kosten)
Vorgaben: 3 Monologe, einer davon muss klassisch sein, 1 Lied
Frei wählbarer 1. Monolog: ja

 

Wartezeit: nicht sehr lange
Warteraum: vorhanden
Vorbereitungsraum: nicht vorhanden
Betreuung von Erstis: nein
gemeinames Warm-Up: nein, jeder für sich
Begleitung gut möglich: nein
Vorsprechen einzeln oder in Gruppe: in Gruppe

 

Fragen von der Kommission: nein
Umziehen im Raum: nein
Kritik: nicht einzeln, nachher, in der Gruppe

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