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Filmrezension „Lipstick under my Burkha“

Gepostet in Inspirationen

Indische Frauen zeigen sexuelle Bedürfnisse

Indo-German Filmweek

Wirklich beeindruckt und berührt, wütend und traurig zugleich habe ich am Samstagabend das Kino verlassen. „Lipstick under my Burkha“ wühlt auf, schockiert, bringt zuerst zum Lachen und dann zum Weinen.

Ein extrem tragisch und zugleich auch komischer Film der indischen Regisseurin Alankrita Shrivastava, den ich jedem ans Herz legen kann.

Es geht um vier Frauen unterschiedlicher Religionen in verschiedenen Lebenssituationen, die gemeinsam unter einem Dach in der „Kleinstadt“ Bhopal in Indien leben. Vier Frauen, die von einem besseren Leben träumen und um ein kleines Stückchen Freiheit in den Grenzen ihres unterdrückten Lebens kämpfen.

Da ist Usha, die älteste der Frauen: 55 Jahre alt, verwitwet und wird von allen nur noch „Tantchen“ genannt. Sie liest erotische Kitschromane, träumt von Zärtlichkeit und phantasiert von ihrem jungen Schwimmlehrer, der unwissentlich mit ihr eine Telefonromanze eingeht. Sie wird regelrecht geächtet, als das herauskommt und ihr wird zügelloses Verhalten vorgeworfen; dass eine Frau in ihrem Alter pervers sei, wenn sie noch sexuelles Begehren hätte.

Da ist Shireen: Hausfrau, Mutter dreier Kinder, unglücklich verheiratet und arbeitet heimlich um ihre Unabhängigkeit zu gewinnen. Ihr Mann benutzt sie nur als Sexobjekt, um seine Frustration über seine geheim gehaltene Arbeitslosigkeit an ihr auszulassen. Er weigert sich ein Kondom zu benutzen, da es ihn beim Sex stört und lässt seine Frau eine Abtreibung nach der anderen durchstehen. Er behandelt sie lieblos und brutal, vergewaltigt sie regelrecht und nimmt sich dabei sogar noch das Recht zu einer Affäre heraus.

Da ist Leela: Junge Frau, zur Hochzeit gezwungen, obwohl sie eigentlich einen anderen liebt. Sie steht zwischen den zwei Männern, ihrem heimlichen Liebhaber und Zwangsbräutigam. Während der Verlobungsfeier nutzt sie einen Stromausfall um nochmal mit ihrem Freund zu schlafen. Sie möchte der Hochzeit entkommen und mit ihrem Freund kurz vorher durchbrennen, ist aber zu mittellos um ihren Plan durchzuziehen.

Da ist Rihanna: die jüngste der Frauen, Studentin und widerwillige Burkha-Trägerin. Sie liebt eigentlich Tanzen und Mode, ist Miley Cyrus Fan, zieht sich auf der Uni-Toilette heimlich Jeans an, tritt einer feministischen Studenten-Bewegung bei und verliebt sich in einen Aktivisten. Sie klaut, weil sie keine andere Möglichkeit hat, sonst an moderne Klamotten heranzukommen und wird von ihren Eltern dazu verdonnert, im Burkha-Geschäft zu schneidern und ihr Studium schließlich wegen dem schlechten Einfluss der feministischen Gruppe aufzugeben.

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Auf unterschiedlichste Weisen stellt sich jede einzelne Frau gegen die Bevormundung der Gesellschaft und ihrer Männer, Väter oder Verwandten auf und versucht ihr Leben ein Stück weit selbstbestimmter und nach eigenen Vorstellungen zu gestalten.

Jede dieser vier Frauen wird dabei brutal zurück in die Schranken gewiesen. Sprüche wie „Du bist die Frau. Versuche nicht, die Hosen an zu haben.“, Gewalt und gesellschaftliche Ächtung schockieren, gerade weil es die Realität in Indien ganz unverblümt zeigt. Und nicht nur in Indien, sondern auch in den unterschiedlichsten Ländern und Kulturen der Welt. Dass es genug Frauen auch in Deutschland gibt, die sexuell von ihren Ehemännern missbraucht werden, die im Alter keine sexuellen Wünsche mehr äußern dürfen und in vielfältiger Weise auch anders unterdrückt und missbraucht werden, ist gewiss.

Umso schmerzhafter ist dieser Film, der uns vorführt, wie alltäglich die Unterdrückung der Frauen ist. Und umso schmerzhafter zu erkennen, wie wenig entfernt die Geschichten von Rihanna, Leela, Shireen und Usha auch in unserer Gesellschaft sind und wie gut man sich mit ihnen identifizieren kann. Gerade deswegen war der Film für mich emotional nur sehr schwer auszuhalten und macht ihn gleichzeitig zu einem der besten Filme, die ich je gesehen habe.

Der Film wurde in Indien verboten, mit der Begründung, er sei „frauen-orientiert“ und „zu vulgär“, zudem würde er „ansteckende Sexszenen“ beinhalten. Erst die zensierte Version schaffte es Anfang des Jahres in die Kinos.

Allein schon das Verbot des Filmes zeigt, was für ein Tabu-Thema sexuelle und emotionale Sehnsüchte von Frauen in Indien sind. Und eben nicht nur dort.

Die zwei verschiedenen Trailer, könnt ihr euch hier und jetzt live und in Farbe anschauen.

Dieser ist sogar erst ab 18 (zumindest muss man auf Youtube eine Inhaltswarnung zur Kenntnis nehmen) und hat die Skandal-Headlines der Zeitungen schon mit einbezogen.

Einen tollen Kommentar der Regisseurin zum Verbot/zur Zensur ihres Filmes gibt es hier.

*Um das hier alles auch bildrechtlich korrekt zu gestalten: Die Beitragsbilder, sprich Cover des Filmes „Lipstick under my Burkha“ sind unter dem Produzenten Prakash Jha erschienen (alle Rechte vorbehalten) und gehört nicht mir. Ich habe sie hier und hier gefunden.

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