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14. Filmfest Düsseldorf

Gepostet in Inspirationen

Meine Schwester hat ihren Bachelor an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf Anfang des Jahres in Medien- und Kulturwissenschaft abgeschlossen. Das Jahr davor hatte sie ihm Rahmen des Studiums das alljährliche Filmfest mitorganisiert, was wir uns auch dieses Jahr nicht entgehen lassen konnten.

Das Filmfest wird als Projektarbeit von Studenten der Medien- und Kulturwissenschaft seit 14 Jahren auf die Beine gestellt. Es hat eine beachtliche Größe und Bekanntheit erlangt. Aufstrebende Nachwuchsfilmemacher bekommen die Möglichkeit, ihre Kurzfilme vor großem Publikum zu präsentieren und einen Preis dafür zu gewinnen. Dafür wurde dieses Jahr vom Filmfestteam aus fast 300 Einsendungen aus 20 verschiedenen Ländern ein Programm zusammengestellt, was sich sehen lassen konnte.

We görls bei der Gewinnerverkündung.
We görls bei der Gewinnerverkündung.

Das Genre ist egal und das Thema freigestellt. Die einzigen Vorgaben sind, dass die Filme nicht kürzer als 3 Minuten und nicht länger als 30 Minuten sein dürfen. Außerdem darf der Regisseur nicht mehr als 5 Filme in der Vergangenheit veröffentlicht haben.

Das Filmfest findet an 3 Tagen statt. An den ersten beiden Abenden wird das gesamte Programm in den Hörsälen der Uni gezeigt. Jeder Besucher kann durch einen Abstimmungsbogen den Filmen (die nacheinander gezeigt werden) verschiedene Punkte geben und seinen Favoriten so unterstützen. Das Ganze wird natürlich ausgezählt, sodass die Kurzfilme mit den meisten Punkten am großen Finale ein letztes Mal bewertet werden. Dieses Finale findet im Filmmuseum in der Düsseldorfer Altstadt statt, wo die drei Preise des Festes vergeben werden.

Es gibt zwei Publikumspreise (beide für je 750€ dotiert) für die Kategorien von Filmen über und unter 15 Minuten sowie der Jurypreis (1.000€), der frei vergeben wird.
Jedes Jahr wird eine fachkundige Jury aufgestellt, die teils aus Professoren, filmfest-erfahrenen Studenten und Personen von Außerhalb besteht. Diese Personen müssen natürlich alle einen Bezug zu Film haben, sodass jedes Jahr auch mindestens ein/e Schauspieler/in vertreten ist.

Dieses Jahr bestand die Jury aus Martin Doll (Juniorprofessor für Medien- und Kulturwissenschaft), Sebastian Groß (Student am Institut MeKuWi), Pagonis Pagonakis (Journalist und Filmemacher), Dominik Porschen (Youtuber und Filmkritiker) sowie Svenja Jung (Schauspielerin, bekannt aus „Fucking Berlin“ oder „Die Mitte der Welt“).

Für mich waren bisher natürlich die Schauspieler besonders interessant. Letztes Mal waren Jella Haase und Paula Schramm stellvertretend da. Auch Svenja Jung mag ich gerne und finde es sehr beachtenswert, was für bekannte Jurymitglieder das Filmfest jedes Jahr ans Land zieht.

Beim großen Finale am Freitag jedenfalls ging es natürlich nicht sofort mit der Preisverleihung los. Die Kurzfilme, die an den Tagen zuvor am besten abgeschnitten hatten, wurden noch einmal gezeigt und vom Publikum bewertet. Ebenso die Jury setzte sich noch mal genau mit den Filmen auseinander (auch wenn nicht in den öffentlichen Räumen) und machte sich in der Kenner-Runde Gedanken.

Meine Schwester, ihre Freunde und ich hatten Plätze in der Black Box ergattert, wo wir es uns mit Popcorn und Co. gemütlich machten und unterhalten ließen.

Die Filme, die gezeigt wurden, waren alle gut gemacht und sehenswert. Hier die Liste der Filme, die es ins Finale geschafft haben. Leider habe ich nicht von allen den Trailer gefunden.

Ich muss sagen, dass wirklich jeder Film es verdient hatte dabei zu sein. Obwohl ich von anderen Filmfestbesuchern gehört hatte, dass viele andere gute gar nicht ins Finale gekommen waren.

Mein Favorit war The Chop von Lewis Rose aus Großbritannien. Der Film ist auf Englisch, aber mit deutschen Untertiteln. Es geht um den jüdischen Jossi, der seinen Job in der koscheren Metzgerei verliert. Er kann keine Stelle bei anderen jüdischen Geschäften finden, sodass er sich als Muslim getarnt bei einer Halal Mätzgerei bewirbt. Er bekommt den Job und versucht verzweifelt seine wahre Identität zu verbergen. Es ist wirklich komisch, wie er versucht ein typischer Muslim zu sein und dabei von den wahren Muslimen auf die Schippe genommen wird, die ihn schnell als Juden enttarnen und es witzig finden, ihn ahnungslos zu lassen. Dabei werden die religiösen Vorurteile auf lockere Weise aufgedeckt und vor allem gelöst.

Wenn du den Trailer siehst, scheint es gar nicht so witzig, wie der Kurzfilm eigentlich ist. Die Pointen sind auf den Punkt getimed und wenn du die Chance hast diesen Film zu sehen, solltest du es dir nicht entgehen lassen.

The Chop trailer from Lewis Rose on Vimeo.

Dieser Film schien auch der Jury so gut zu gefallen, dass sie ihn mit folgender Begründung für den Jurypreis ehrten:

Unser Gewinnerfilm thematisiert ein komplexes Problemfeld mit einer humorvollen Leichtigkeit. Das Zusammenspiel aus Kameraführung, Storytelling und herausragender Schauspielleistung sorgt für ein rundes Gesamtwerk. Wir, als Zuschauer, werden auf verschiedenen Ebenen subtil angesprochen. Dies funktioniert aber, ohne dass Botschaften plakativ in Szene gesetzt werden. Vielmehr werden religiöse Unterschiede unverkrampft erzählt. Ein rundum gelungener Kurzfilm, der dem Format alle Ehre macht. Der Film ist ein wichtiges politisches Statement, auch wenn das leicht zuckrige Ende in der Jury für Diskussionen, aber nicht für einen bitteren Nachgeschmack gesorgt hat. Wir würden uns wünschen, dass religiöse Konflikte auf eine solch charmante Art gelöst werden können. Deshalb geht der diesjährige Jurypreis an: The Chop.

Den Publikumspreis unter 15 Minuten bekam der Film Die Hochzeitspolizei. In dieser (ebenfalls) Komödie geht es um Mikhail aus Russland, der in Deutschland seinen Mann geheiratet hat und der Scheinehe bezichtigt wird. Er ist sehr überrascht, als die Polizei vor der Tür steht und ihm einfach nicht glauben will, dass er aus Liebe geheiratet hat. Zudem gibt es Informationen von Nachbarn, die ihn mit einer anderen Frau gesehen haben wollen. Als Wanda nach Hause kommt und sich von ihrer anderen Seite zeigt, macht alles Sinn.

Die Geschichte war spielerisch schön umgesetzt und lässt den Kommissar mit seinem Schubladen-Denken ins offene Messer laufen. Schauspielerisch fand ich es teils nicht ganz überzeugend. Nichtsdestotrotz ein verdienter Gewinner des Publikumspreises.

filmfest-duesseldorf-programmheftDer Publikumspreis über 15 Minuten ging an den Film Dot von Tali Barde. Dabei ging es um den tödlichen Unfall eines jungen Mannes, der daraufhin in die Vergangenheit zurück versetzt wird und von einer Art Fluch belegt ist. Denn jede Begegnung mit einem anderen Menschen führt erneut zu einem Unfall mit tödlichem Ausgang. Dieser Thriller war zwar sehr verwirrend, aber trotzdem fesselnd. Technisch und schauspielerisch auf jeden Fall gut gemacht. Allerdings ist das Genre nicht mein persönlicher Geschmack, da in ständiger Aufeinanderfolge der Protagonist stirbt, was mich einfach beim Zuschauen viel zu fertig gemacht hat. Obwohl es einfach nur zeigt, dass der Effekt des Filmes auf den Zuschauer gut gemacht ist.

Die Storyline hat mir nicht so gut gefallen, da sich der Sinn des Ganzen einfach nicht gezeigt hat. Es war weder klar, wo der Fluch herkommt, noch was für einen Nutzen er haben soll bzw. was der Protagonist daraus lernt oder was man als Zuschauer daraus mitnehmen kann.
Trotzdem ist der Film offensichtlich bei vielen anderen sehr gut angekommen, was ihn zum zweiten Gewinner des Publikumspreises macht.

Und ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich im Abspann zwei Leute wieder erkannt habe. Eine Freundin von mir war für den Bereich Kostüm zuständig und ihr Freund war der Kameramann.

Alles im allem ein gelungener und unterhaltsamer Abend mit Filmen, die im Gedächtnis bleiben.

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